Blog-Layout

Märchen für Kinder - bei Angst

Theresa Denjean, Aurelia Khorassani • Nov. 23, 2020

Geschichten und Märchen -

wie sie ängstlichen Kindern helfen können

Kinder leben wie noch in einer anderen Welt. Diese ihre Welt lässt sich als eine reine Farben- und Klangwelt beschreiben. Es ist eine reine Empfindungswelt in der sie die ersten Jahre leben. Alles um das kleine Kind herum ist wie ein Meer von Empfindungen und Eindrücken, die es zu verarbeiten gilt. 

Weil das Kind noch anders wahrnimmt als erwachsene Menschen ist es wichtig, dass wir uns auf sie und ihre Welt einlassen. Ihnen altersentsprechend begegnen, um sie nicht zu überfordern. Das bedeutet, dass wir dem kleinen Kind nicht mit Erklärungen begegnen sondern ihm innere Bilder schenken. Denn diese können die kleinen Kinder nachempfinden und wirklich verstehen.


Ein großer Begleiter in der Erziehung können Märchen sein sie sind etwas ganz besonderes für Kinder, denn sie  sprechen die Sprache des Kindes und erschaffen innere Bilder. Märchen finden wie in einem besonderen Raum statt. Märchen vorgelesen zu bekommen hüllt das Kind und den Vorlesenden ein. 


In allen Märchen wird die innere Moral des Menschen angesprochen, oft ist Erlösung von Natur, von Menschen, von Tieren ein Thema. So bilden und stärken Märchen die Gemütskräfte des Kindes, weil die Bilder im Märchen die Seele des Kindes ansprechen. Diese im Kind selbst entstandenen Bilder sind wachstumsfähig, sie erschöpfen sich niemals weil sie menschheitsgeschichtliche Elemente in sich tragen, die auch morgen noch gelten.

 

Ein weiterer Aspekt ist die feine Sprache der Märchen, mit denen die Kinder durch das Vorlesen in Berührung kommen. Gleichzeitig fördert es die Aufmerksamkeit des Kindes auf besondere und nachhaltige Weise.


Das gemeinsame Lesen eines Märchens ist zudem sehr verbindend und ist ein schönes Seelenwärmendes Ritual für alle Beteiligten. 


Dem Erwachsenen geben die Urbilder aus den Märchen Kraft, auch für ihn ist es Nahrung für die Seele und nährt das innere Kind. Durch das bildhafte Sprechen gelingt auch Gesundheitsförderung, denn solche Bilder belasten das Gehirn nicht. Die Ruhe des Erzählflusses hilft gegen Alltagshektik. 


Was die meisten guten Märchen und Geschichten gemeinsam haben ist, dass viel passiert- es gibt dramatische und spannende Wendungen, bei denen die Kinder mitfiebern. Außerdem regen Inhalt sowie die Sprache die Fantasie und inneren Bilder der Kinder an. Trotz all dieser Spannung und oft auch Tragik oder Grausamkeit in der Handlung lieben Kinder Märchen und nicht die Angst steht im Vordergrund sondern Mut, Freude, positive Spannung und der Glaube an etwas, dass mehr ist - mehr als wir sehen und wahrnehmen können, mehr als wir verstehen. Das liegt daran, dass bei jedem guten Märchen die Grundstimmung herrscht: “Alles wird gut!” Es passieren gefährliche Dinge, es gibt viel Böses- aber am Ende wird alles immer gut! Dies spüren und übernehmen die Kinder und da sie ja mit ihrer Fantasie noch so eintauchen in die Inhalte und sich in sie vertiefen überträgt sich dies auch auf ihr eigenes Leben. Sie nehmen damit viel Wichtiges mit und lernen, dass es immer Höhen und Tiefen gibt im Leben, dass Angriffe von außen kommen, dass nicht jeder gut ist usw.- aber sie wissen, dass man es schaffen kann. Deshalb wurden Märchen auch über Jahrhunderte überliefert und weitergegeben- sie sind nicht bloß irgendwelche ausgedachten Geschichten sondern wurden schon früher erzählt, um den Menschen Mut zu machen und die Angst zu besiegen, um Wahrbilder zu verdeutlichen und die Stärken aus den Menschen herauszuholen. Die Erwachsenen erzählten sich die Märchen von Generation zu Generation und egal in welcher Kultur oder auf welchem Kontinent - die Inhalte sind sich immer sehr ähnlich. Das Böse verliert obwohl es zuerst viel stärker wirkte, das Gute gewinnt obwohl es am Anfang keine Chance zu haben schien und aus den Kleinsten und Schwächsten werden Helden mit denen man sich identifizieren kann.

Genau aus diesem Grund können uns Märchen auch während der  Corona- Krise weiterhelfen und den Kindern zeigen, dass schwierige Zeiten immer irgendwann enden und man den Mut und den Glauben an das Gute nie verlieren soll. Auch den Erwachsenen können die Märchen helfen. 


Praktische Tipps

Zu empfehlen sind z.B. die Märchen der Gebrüder Grimm und es ist gut, wenn sie sich ein neues Märchen immer erst alleine durchlesen und überlegen, ob ihr Kind schon alt genug dafür ist. Auch wichtig ist, dass sie beim Lesen auch ihre Stimme und ihren Tonfall achten-keine Dramatisierung machen, keine künstliche Spannung hineinbringen. Die Inhalte sind spannend genug und ihre Stimme sollte Ruhe und Sicherheit ausstrahlen und keinen Krimi erzählen. Versuchen sie, das Vorlesen zu einem gemütlichen Ritual werden zu lassen: immer zur selben Zeit, am selben Ort (z.B. im Bett oder auf dem Sofa) und evtl. mit demselben Essen oder Getränk dazu- z.B. ein warmer Tee oder Kakao. Im Winter können sie ihrem Kind dann noch eine Wärmflasche machen und sich gemeinsam unter eine Decke kuscheln. So stärken sie ihr Kind und ermöglichen ihm Momente, die es tief prägen können und ihm ein Gefühl von Sicherheit, Geborgenheit und sich Wohlfühlen vermitteln in  einer turbulenten und unsicheren Zeit.



von Theresa Denjean 28 Okt., 2020
I n den letzten Monaten hat sich die Angst in Deutschland und dem Rest der Welt ausgebreitet und nimmt weiter zu. Dies passt sehr zu ihrem Wesen denn meist beginnt sie klein und unauffällig und wird schleichend immer größer - je mehr die Menschen ihr Raum lassen, ihr nachgeben und sie nicht direkt bekämpfen desto mehr Macht bekommt sie. In letzter Zeit bekam sie viel Futter: die Einen haben Angst vor Corona, die Anderen vor den wirtschaftlichen und sozialen Folgen, wieder andere Angst vor Einschränkungen und Bestrafungen oder Angst um Mitmenschen... die Gründe sind zahlreich. Nun kann man natürlich sagen, dass die Angst uns auch schützt und dass es gut ist, vor manchem Angst zu haben. Denn ohne Angst wäre die Menschheit schon längst ausgestorben. Es gilt jedoch zu unterscheiden zwischen der gesunden Angst einerseits, die uns warnt und in gefährlichen Situationen vorsichtig sein lässt, die zeitlich begrenzt und in dem Moment völlig begründet ist. Nach ihr fühlen wir uns erleichtert und vielleicht noch etwas zittrig aber sie geht vorbei und lässt uns oft auch mutig werden, wir können durch sie über uns hinauswachsen, es geschieht Entwicklung. Auf der anderen Seite steht die Art von Angst, die uns schadet. Sie ist im Untergrund immer bei uns, sie lähmt uns statt uns reagieren zu lassen, sie breitet sich aus und übernimmt die Kontrolle, schränkt uns immer mehr ein und lässt uns innerlich schrumpfen. Diese Angst ist schädlich und sie hat eine Art Eigenleben, was man aktuell überall beobachten kann. Leider ist sie auch sehr ansteckend und wird von Mensch zu Mensch weitergegeben- besonders von den Erwachsenen an die Kinder. Ab einem gewissen Alter kann man mit Rationalität, einer gewissen Lebenserfahrung, Vertrauen und Ich-Stärke der Angst etwas entgegensetzen. Doch keins dieser Werkzeuge haben die Kinder zur Hand. Sie spüren unsere Angst, unsere Unsicherheit und Sorgen und orientieren sich daran. In tausend einzelnen Situationen bekommen sie gesagt oder gezeigt, dass die Welt gefährlich ist, dass überall etwas lauert und vor allem, dass man sich und andere schützen muss . Wir wollen uns hier jede Woche anschauen, was die Angst mit unseren Kindern macht, welchen Einfluss sie nimmt, wie sie sich evtl. ausbreitet und vor allem, was wir gegen sie tun können! Wie können wir die Kinder schützen- in diesem Fall nicht vor einem Virus sondern vor seinen Folgen, die jetzt erst beginnen sichtbar zu werden. Es soll auf keinen Fall neue Angst geschürt werden denn es gibt auch sie- die Angst vor der Angst. Stattdessen wollen wir etwas dazu beitragen, dass die Kinder ihr Leben wieder in Freiheit genießen können, ganz Kind sein dürfen und ein positives Gegengewicht bekommen zu all dem, was sie in diesem Jahr an Schwere, Dunkelheit, Unverständlichkeit und Ängsten durch die Gesellschaft der Erwachsenen mitbekommen. Denn nur wer tätig wird kann die Angst verändern, dies gilt für die Kinder genauso wie für die Erwachsenen. In diesem Sinne möchten wir ihnen dabei helfen etwas zu tun und etwas zum Guten zu verändern! Wir freuen uns über kleine Rückmeldungen und stehen für Fragen gerne zur Verfügung.
von Theresa Denjean 06 Apr., 2020
Es wird geschnippelt, gerührt, gewogen und gemessen, probiert und geschnuppert, gezupft und geschnitten, gedeckt und gerichtet- und schließlich gemeinsam genossen. Mit den Kindern zu kochen und zu backen ist Pflege der Sinne wie es sonst selten vereinbar ist. Sei es der Sehsinn beim Einkaufen und herrichten der Zutaten, beim Tischdecken und schmücken, beim spickeln in den Ofen ob es schon fertig ist, beim genauen Beobachten des Messers während man Gemüse schneidet oder , währende des Essens, beim Herauspicken der einzelnen Zutat, die man als Kind eben doch nicht mag. Der Tastsinn wird schon beim Befühlen der unterschiedlichen Oberflächen, Härten und Konsistenzen angeregt, beim Kneten von Teig dann weiter vertieft. ( Am besten die Kinder selber kneten und Teig mischen lassen, nicht den Mixer oder die Küchenmaschine übernehmen lassen). Dann kommt der Geruchssinn - wie riecht das frische Obst für den Nachtisch? Verändert es den Geruch während ich es schneide? Wie duftet der Pizzateig während er aufgeht und wie, wenn er mit Belag im Ofen knusprig wird? Schließlich Suppe probieren und abschmecken- und dann schließlich zusammen am Tisch sitzen und essen. Sogar der Gleichgewichtssinn kann angesprochen werden wenn das Kind beim Helfen auf einem Stuhl steht um größer zu sein, Teller und Gläser balanciert um den Tisch zu decken. Der Hörsinn kann beim Brutzeln in der Pfanne, dem Zischen des heißen Fettes und den unterschiedlichen Geräuschen während des Kochens gepflegt werden. Wie Sie sehen ist dies ein Gebiet, was große Abwechslung in sich trägt und in Zeiten wie der aktuellen, in der viele Möglichkeiten wegfallen, Kindern und Erwachsenen Freude und Ablenkung bringen kann. Natürlich braucht man dafür Zeit und Geduld- und volle innerliche und äußerliche Anwesenheit. Also lieber am Abend gemeinsam kochen als mittags, wenn Sie z.B. Home-Office machen müssen. Allgemeine Tipps: Lassen Sie ihr Kind mehr selber machen und ausprobieren- es kann wahrscheinlich mehr, als Sie denken. Egal ob beim Schneiden von Obst und Gemüse, beim Decken und Richten des Tisches, beim Umrühren und Abschmecken- Kinder haben meist ein gesundes Gespür, wo sie vorsichtig sein müssen. Wenn man sie ausprobieren lässt und nicht sofort selber übernimmt. ( Natürlich erst ab einem gewissen Alter und mit etwas Übung, nicht wenn es das erste gemeinsame Kochen ist) Also geben Sie Aufgaben ab, lassen sie das Kind wirklich helfen und kochen Sie gemeinsam- das macht das Kind glücklich und es fühlt sich wertvoll und geschätzt- es kann etwas! Gute und sinnvolle Aufgaben für Kinder: Gemeinsam Einkaufen, auch das Kind hat eine kleine Tasche und hilft tragen. Vor dem Kochen/ Backen sucht das Kind die Zutaten zusammen, das macht viel Spaß und ist wie ein Spiel. Alles, was mit kleinschneiden von Gemüse und Obst zu tun hat macht den meisten Kindern Spaß. Ab 4 Jahren können sie vorsichtig Äpfel         und Bananen fürs Müsli schneiden, die Gurke für den Salat. Natürlich mit dem richtigen Messer ( Größe, Schärfe beachten) und der Mitarbeit der Eltern. Sie bereiten das Obst vor, schneiden den Apfel z.B. in 4 Stücke und nehmen das Kerngehäuse heraus und lassen dann das Kind weitermachen. Sie sind ein Team. Und je älter das Kind ist, desto mehr übernimmt es selber. Gemüse schälen und alleine schneiden etwa. Die Backzutaten abwiegen und mischen, neben dem Topf stehen und aufpassen, dass nichts überkocht. Auch sehr schön ist es, wenn das Kind den Tisch decken darf. In seinem Tempo und so, wie es ihm gefällt. Sorgfältig und darauf achtend, dass nichts fehlt. Vielleicht möchte es am Schluss noch eine Blume aus dem Garten holen oder beim nächsten Spaziergang einen kleinen blühenden Zweig für den Tisch mitnehmen?    So bekommt das Essen einen anderen Stellenwert, nimmt mehr Raum ein und kann sich mit Kleinigkeiten durch den ganzen Tag ziehen- was gegen die Langeweile im Moment helfen kann. Genauso wie das Vorplanen des nächsten besonderen Kochens und Essens, heraussuchen von Rezepten, das Ausprobieren von Neuem und das gemeinsame Einkaufen.    Natürlich ist es nicht möglich und nicht der Sinn der Sache, dass jedes Essen jetzt eine stundenlange Vorbereitung bekommt und etwas besonderes wird. Aber vielleicht 2 bis 3 mal pro Woche eine größere Koch- oder Backaktion? Vielleicht immer das Abendessen oder das Mittagessen besonders besonders zelebrieren? Vielleicht ab und zu schöne, ruhige und ausgedehnte Frühstückszeiten haben? Jeder hat andere Möglichkeiten und freie Zeiten, jeder kann das anders gestalten.    Im nächsten Beitrag wird dann konkret auf die einzelnen Mahlzeiten eingegangen und zu jeder Mahlzeit werden ein paar Ideen gemacht. 
Share by: